Hinter jedem Text steckt ein innerer Zustand. Eric Berne hat gezeigt, welche Stimmen in uns sprechen. Stephen Porges hat gezeigt, warum der Körper darüber entscheidet, ob wir überhaupt sprechen können.
Eric Berne (1910–1970) war kanadisch-amerikanischer Psychiater und Begründer der Transaktionsanalyse. Er entwickelte ein Modell, das erklärt wie Menschen miteinander kommunizieren – und warum dabei oft nicht das passiert, was wir beabsichtigen. Sein bekanntestes Buch „Spiele der Erwachsenen" wurde ein Millionenseller, weil es etwas traf, was alle kennen: Wir agieren manchmal wie Kinder, manchmal wie strenge Eltern, manchmal wie vernünftige Erwachsene – ohne es zu merken.
Stephen Porges (geb. 1945) ist amerikanischer Neurowissenschaftler und Entwickler der Polyvagal-Theorie. Sein Ansatz geht tiefer als Psychologie – er zeigt, wie das Nervensystem entscheidet ob wir uns sicher genug fühlen um wirklich in Kontakt zu treten. Ohne Sicherheit im Körper kein echtes Gespräch, kein echtes Schreiben.
Berne beschrieb drei Ich-Zustände – innere Haltungen, aus denen heraus wir handeln, sprechen und schreiben. Alle drei sind in uns. Die Frage ist, welcher gerade die Feder hält.
Stephen Porges hat eine einfache Erkenntnis in ein wissenschaftliches Modell gegossen: Das Nervensystem entscheidet zuerst. Bevor wir denken, fühlen, sprechen oder schreiben, hat unser Nervensystem bereits entschieden ob die Situation sicher ist. Und danach richtet sich alles andere.
Porges beschreibt drei Zustände, in denen wir uns befinden können – und die bestimmen, was überhaupt möglich ist.
Wenn jemand in einem Seminar sitzt und nicht schreiben kann – obwohl er will – dann ist das selten ein Mangel an Talent oder Ideen. Es ist meistens ein Nervensystem das noch nicht angekommen ist. Oder ein Eltern-Ich das laut kommentiert. Oder beides.
Die Werkstatt ist so gestaltet, dass der ventral-vagale Zustand – Porges' Sicherheitszustand – entstehen kann. Kleine Gruppen, keine Bewertung, freiwilliges Vorlesen, ein ruhiger Beginn. Das ist keine Wellness-Idee. Das ist Neurobiologie.
Und wenn das Eltern-Ich seinen Kommentar loswerden will, hilft manchmal ein einfacher Satz: Schreib zuerst. Urteile später. Das Erwachsenen-Ich kann das entscheiden. Das Kind-Ich schreibt dann oft das Beste.